Tagessieg und Österreichischer Meister in der AK45 beim Extremduathlon in Mürzzuschlag

..... wieder war es der zweite Laufsplit, diesmal sogar mit Bestzeit aller Teilnehmer.

 

In den Tagen vor diesem Rennen wurde mir beim Lesen meiner Wettbewerbsberichte und der Analyse der dazugehörigen aufgezeichneten Daten aus den vergangenen Jahren klar, dass auf solch einer Strecke über 10km Lauf, dann 100km Rad und nochmals 20km Lauf der Unterschied zwischen einem ordentlichen dritten Split und einem bei dem ich "blau" vom Radfahren weglaufen müßte im Bereich von 10-15 Minuten sein könnte. Ich durfte keinesfalls meine Stärke (der zweite Lauf) für ein paar Watt mehr am Rad und eine dadurch vielleicht 3-5 Minuten schnellere Radzeit riskieren.

 

Anreise am Vortag mit dem Wohnmobil, es regnet teilweise..... das macht mich noch nervöser. Anita, unsere jetzt zweifache Mastersweltmeisterin im Halbmarathon, schickt mir noch eine SMS: "..... wenn´s hart wird, dann denk´dir den Sch$$$ zieh´ ich durch.... und du hast´ ja super trainiert....."

Kurzer Lauf zum Auflockern, dann gibts viel Pasta und ein Bier..... zum Einschlafen noch ein paar Szenen aus den Filmen "Ali" und "Saint Ralph".

 

Ich schlafe sehr gut, fühle mich am Morgen des Wettkampftags frisch, das Wetter ist fast ideal, für mich ein wenig kühl, akzeptabler Wind.

© Oliver Königshofer / www.actline.at
© Oliver Königshofer / www.actline.at

Der erste Laufsplit möglichst locker, ich war vorgewarnt..... trotzdem fordert der mehrere Kilometer lange steile Anstieg gleich alle Energiesysteme, ich ändere meine Taktik sofort von "möglichst lange bis zum Niederalpl locker und dann angreifen" auf "nur anständig ankommen". Der erste Laufsplit irgendwo im Mittelfeld, noch geht´s um nix.

In der Wechselzone kommt gleich knapp hinter mir Wolfgang Aigelsreiter rein, wir wussten wohl beide dass in Abwesenheit von Gerald Rohaczek die AK45 unser Rennen sein würde.

..... also leider kaum Vorsprung nach Lauf 1..... und Aigi ist einer der stärksten Radfahrer im ganzen Feld. Schon nach 2 Kilometer fährt er locker grüßend an mir vorbei und ......weg ist er. Ich kann nicht gegenhalten, zu groß ist der Leistungsunterschied.

Ich versuche zumindest meinen geplanten Leistungsbereich von 180-190 Watt einzuhalten, das fühlt sich am Anfang nämlich gar nicht so locker an.

Erfreulicherweise hilft aber der Rückenwind bergauf Richtung Lahnsattel mit, das Rad rennt jetzt und ich kann vereinzelt sogar Plätze gutmachen.

Immer den geforderten Abstand einhalten..... die "Race Control" ist allgegenwärtig.

Konzentration behalten, Hirn einschalten, auf die Energiezufuhr achten, 3 Flaschen ISO-Gertränk habe ich mit, Bananen, Riegel.... möglichst permanent in kleinen Dosen.... 4000 kcal werde ich verbrauchen, vorher ausgerechnet.

 

...... dann geht´s zur Sache, am kurzen Anstieg nach Mariazell brauche ich das erste Mal meine superkurze Übersetzung, 36 vorne habe ich sowieso, das 30-er Ritzel hinten montiere ich aber nur für spezielle Sachen.

Hinten runter vibriert beim harten Bremsen wieder das Vorderrad, dem muß ich jetzt mal endgültig auf den Grund gehen.

Die nächsten 12 km sind unangenehm, doch recht starker Gegenwind drückt die Geschwindigkeit auf peinliche Werte, der Leistungsmesser sagt allerdings: "keinesfalls schneller", die Herzfrequenz ist nun höher als geplant, ich fühle mich müde und denke mir: "bitte, ich will laufen..." .

© Oliver Königshofer / www.actline.at
© Oliver Königshofer / www.actline.at

Drei Konkurrenten sind in Sichtweite, ich komme nicht näher.... auf der Anfahrt zum Niederalpl steigt die Straße nun stärker, ich hole auf, am Fuß des eigentlichen Anstiegs bin ich dran..... wieder hilft die kurze Übersetzung, mit 85-95 Umdrehungen fahre ich nach und nach an Ihnen vorbei, das motiviert...... Hirn ausschalten auf der Abfahrt weit jenseits der 80km/h, eigentlich unverantwortlich, jetzt noch mit kontrolliertem Einsatz die lange leichte Gefällestrecke zurück. Etwas investiere ich noch um auf zwei weitere Mitkämpfer aufzuschließen, dann nehme ich deutlich raus und bereite mich mental auf Wechsel und Laufstrecke vor.

Gleichauf mit Thomas Koneczny raus aus der Wechselzone, kurzer Smalltalk "wer hat sich so eine Laufstrecke ausgedacht? ..... noch viel Spaß und alles Gute!" Der erste Kilometer ist halbwegs flach, das geht gut... ein Konkurrent mit schwarzem Trikot ist in Sicht.... was ist los? Warum kann ich nicht aufschließen? Der steile Anstieg geht jetzt sehr schwer, meine Schritte werden extrem kurz, Cola an der Labestation, noch ist der Anstieg nicht geschafft, der Schwarze da vorne ist nicht einzuholen, bergab läuft er dann sogar schneller, ich versteh´s nicht!

 

Eine Runde am Stadtplatz, reicht die Kraft noch für weitere 10km? Jetzt wird´s psychologisch....

Der Schwarze ist wieder in Sichtweite, am steilen Anstieg packe ich meinen letzten Trick aus, ich singe in Gedanken immer wieder das "Westerwaldlied", der Kopf wird jetzt frei, die Zeit vergeht schneller, es sind nun auch mehr Teilnehmer, teilweise zum Überrunden auf der Strecke..... 

Weit oben erkenne ich ein blaues Trikot... ist´s der Aigi? Komme ich noch ran? Nachdem ich mich 4 Stunden lang mit "bestenfalls Platz 2" auseinandergesetzt hatte kann ich nun 500m vorm höchsten Punkt vorbeilaufen. Auch Gernot Grillmaier (der Schwarze, mit dritter Zeit auf Laufsplit 2) und eine weitere Gruppe hole ich noch ein.

 

In der Landesmeisterschaft AK40, hier gibt´s Altersklassen in 10-er Sprüngen, wurde es Platz 2 .... eine symbolische Sekunde hinter Martin Pfarrhofer.... wir haben die letzten 2 km Seite an Seite geschafft, erleichtert das Ziel zu spüren. Ich war zufrieden wieder mal seit sehr langer Zeit auf Augenhöhe mit ihm dem Hawaii-Teilnehmer zu finishen.

 

-> zur Auswertung

 

Lange nach dem Zieleinlauf, nach Dusche, Auschecken und Würstelessen sitze ich alleine am Stadtplatz, die vorläufige Ergebnisliste verschafft Gewissheit. Das zweite Bier unterdrückt jetzt die Selbstkontrolle..... ich muß ein paarmal sehr tief luftholen um nicht völlig außer Fassung zu geraten. Goldmedaillie geholt, alles richtig gemacht....... danke Birgit für die großartige Unterstützung, danke Berny für´s professionelle Coaching.

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Kommentare: 3
  • #1

    guenter (Montag, 28 April 2014 18:02)

    Gratuliere dir wolf, gruesse aus san gimignano / brigitte und guenter

  • #2

    guenter (Mittwoch, 30 April 2014 15:32)

    Hallo Wolfgang, auf diesem Weg alles Gute zum
    Geburtstag wuenschen wir Dir. Brigitte und Guenter

  • #3

    Gustl (Samstag, 03 Mai 2014 16:16)

    Chapeau und herzliche Gratulation zu dieser wieder einmal beeindruckenden Leistung. Gustl